GKV-Reform und die Pharmaindustrie

Die Belastungen für Arbeiter*innen und Angestellte durch Warkens geplante Kürzungsorgie bei der Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind dramatisch und sehr konkret.

Beschäftigte im Gesundheitswesen sind gleich doppelt betroffen:

Individuell als GKV-Versicherte/Patienten z.B. durch drastische Erhöhungen bei der Medikamenten-Zuzahlung oder den Angriff auf die beitragsfreie Familienversicherung.

Kollektiv als Beschäftigte durch Deckelung des Pflege-Budgets und der damit nicht mehr gegebenen automatischen Refinanzierung von Tarifabschlüssen.

Aber wie sieht es aus mit den Sparanstrengungen bei anderen Kostenverursachern im Gesundheitswesen – z.B. bei der Pharmaindustrie?

In Paragraph 130e des Entwurfes für ein Beitragsstabilisierungsgesetz in der GKV ist unverbindlich-blumig die Rede von Verhandlungen über Rabatte der Pharmaindustrie, die geführt werden „sollen“ oder „können“.
Trotzdem lief die Propagandamaschine der Pharma-Lobby postwendend und professionell auf Hochtouren.
Jammern ohne Ende und wüste Drohungen: Arbeitsplatzabbau, Standortverlagerungen und – besonders perfide – neue, hochwirksame Medikamente bald nur noch für Privat Versicherte oder Selbstzahler.

Jens Baas (Chef der Techniker-Krankenkasse und früher selbst Pharma-Lobbyist) erwiderte kühl:

“Wir sind einer der größten Märkte der Welt und haben mit die höchsten Preise – das vermeintliche Erpressungspotential ist nicht vorhanden“

Was da real abgeht, zeigt krass, aber auch exemplarisch der
FALL KEYTRUDA.

Keytruda ist ein hochwirksames Anti-Krebs-Präparat des viertgrößten Pharmakonzerns der Welt Merck, Sharp and Dohme MSD

Der Zussatznutzen ist unumstritten: Verlängerung der Lebensdauer um 5 – 10 Jahre. Keytruda ist aber als zur Zeit umsatzstärkstes Medikament der Welt auch unfassbar teuer.

Im Moment bezahlt die deutsche GKV 2040 € für eine 100 mg -Ampulle. Jahreskosten für eine Keytruda-Therapie:  94.000 €

2025 zahlten deutsche Krankenkassen mehr als 2 Milliarden € nur für dieses Präparat (Quelle Recherche-Netzwerk, siehe unten).

Zum Vergleich: Warken will mit ihrer Reform insgesamt 12 Milliarden einsparen.

Der Onkologe und langjährige Vorsitzende der Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft Wolf Dieter Ludwig bezeichnete diese Preise in „ZDF frontal“ (14.04.2026) als  “obszön“.

Bestätigt wird diese Einschätzung durch die Untersuchungen eines internationalen Recherche-Netzwerks aus ZDF frontal, Der Spiegel, Der Standard (Österreich), USA Today und L‘Espresso (Italien)

Dieses Netzwerk beauftragte die Schweizer NGO Public Eye die Keytruda-Preisgestaltung mal nachzurechnen und einen angemessenen und fairen Preis zu ermitteln.

„Fair“ heißt hier: Inklusive der Wiedereinspielung der Forschungs- / Entwiclungskosten und einer Rendite von 8 % p.A. Dieser Preis liegt – hoffentlich sind alle Leser*innen in der Nähe eines Defibrilators – bei 40 € pro 100 mg!

Wir erinnern uns: Momentan bezahlt die GKV 2040 € pro 100 mg.

Wie kann es zu derart märchenhaften Profiten kommen?

1.
Die Arzneimittelpreise in Deutschland sind nach den USA die zweithöchsten der Welt.

Laut Oliver Blatt (Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes) in der Neuen Osnabrücker Zeitung  haben sich die Ausgaben für Arzneimittel in Deutschland in den letzten 12 Jahren verdoppelt – auf 60 Milliarden € in 2024.

Kostentreiber sind nicht Generika, sondern neue patentgeschützte Medikamente. Sie verursachen 54 % aller Kosten, machen aber nur 
7 % aller Verordnungen aus.

2.
In Deutschland darf die Pharmaindustrie die Preise für neue patentgeschützte Medikamente für die ersten 6 Monate einfach selbst festlegen (kein Witz). Danach gibt es zwar Verhandlungen über Zuschläge (für erwiesenen Zusatznutzen) und / oder Abschläge (Rabattverträge) – aber natürlich auf Basis der willkürlichen Ausgangswerte.

3.
Die Pharmakonzerne argumentieren gerne mit den enormen Forschungskosten, verschweigen aber, dass akademische Grundlagenforschung weitgehend öffentlich finanziert wird (in unserem Fall der Wirkstoff Pembrolizumab)

Public Eye hat 90 (!) Studien geprüft, bei denen MSD als Sponsor beteiligt war und kommt auf direkte Kosten von 1,9 Milliarden $.

Zusammen mit einem großzügigen Aufschlag für missglückte Studien landen sie bei maximal 4,8 Milliarden $.

MSD stellt sich selbst 44 Milliarden $ in Rechnung !

Was tun? Ganz einfach … 

„Da gibt’s doch was von Ratiopharm“

Für die Sofort-Behandlung: Übergewinn-Steuer Akut

Und für die Langfrist-Therapie:

Vergesellschaftung Forte

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